Für Rademacher wird Königstraum wahr

Richard Elmerhaus, Westfalenpost
Einmal König der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft Balve zu sein. Davon hat Stefan Rademacher fast 15 Jahre lang geträumt. Gestern Morgen wurde aus dem Traum schöne Realität. Mit dem 144. Schuss war er der König von Balve.

Als der Rest des Vogels nach knapp zwei Stunden endlich zu Boden fiel, brandete riesiger Beifall in der Sillhaue auf. Alle freuten sich mit Stefan Rademacher, vor allem seine Frau Monika, die er zur Königin erkor. „Du hast Dir aber ganz schön Zeit gelassen“, sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen und schloss ihren Liebsten in die Arme. Aber nicht lange, denn eine große Anzahl von Gratulanten, unter ihnen die komplette Führungsetage der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft, Präses Andreas Schulte und Bürgermeister Hubertus Mühling, fiel über den neuen Regenten her.

Zuvor hatten sie ein Vogelschießen verfolgt, das sich sehr lange hinzog, weil sich der Aar als recht zäh erwies und die Schützen nicht immer ins Schwarze trafen. Spannung war in der Schlussphase dennoch vorhanden, weil mit jedem Schuss, da waren sich die zahlreichen Zuschauer einig, das Ende des Schützenvogels vorprogrammiert war.

Dies wussten auch die sehr ambitionierten Bewerber um die Königskette. Angeführt von Stefan Rademacher, der am Gewehr genauso konsequent zur Sache ging wie früher als linker Außerverteidiger, nahmen Hermann Hering, „Oskar“ Müller und Uwe Iserberg den von Klemens Terbrüggen gebauten Vogel so massiv unter Beschuss, dass Schießmeister Stefan Honert nach dem Vogelschießen schweißnass war. Zeitweise war das Gewehr so heiß, dass eine kurze Pause notwendig war.

Der stolze Aar schien die Schüsse zu ignorieren. Selbst als der Schießmeister stärkere Munition in das Gewehr legte, hielt der Vogel noch lange durch. Dies gilt nicht für den Kugelfang, denn er hat beim Kampf um die Königskette großen Schaden genommen. Aber der sollte sowieso im nächsten Jahr durch einen neuen ersetzt werden.

Zu Beginn des Vogelschießens, das von König „Keksi“ Rapp eröffnet wurde, fielen die Insignien sehr schnell von der Stange. Während Präses Andreas Schulte den Apfel abschoss, nahmen Simon Stüken die Krone und Konrad Betten das Zepter mit nach Hause.

Als Uwe Isenberg nach 35 Minuten den Vogel spaltete, kam ein erstes Raunen in der Sillhause auf. „Heute muss ich nicht helfen“, hier läuft alles wie von selbst“, kommentierte Präses Andreas Schulte das Vogelschießen, nachdem Stefan Rademacher den linken Flügel abgeschossen hatte.

Im weiteren Verlauf des Vogelschießens zeigte sich jedoch, dass es nicht so einfach war, den Nachfolger von „Keksi“ Rapp zu ermitteln. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig ist, die Königskette weiter zu reichen“, erklärte Rapp, der mit sichtlicher Zufriedenheit Stefan Rademacher die Königskette um den Hals legte.

„Es war ein schönes Jahr, das geprägt war von großer Herzlichkeit. Uns hat vor allem gefreut, dass die Bevölkerung so gut mitgezogen hat. Und genau das wünschen wir auch Stefan und Monika Rademacher“, sagte „Keksi“ Rapp, der mit seiner Frau Birgit zu den ersten Gratulanten zählte.

Als die Gratulationscour unter der Vogelstange beendet war, fand der triumphale Einzug des neuen Königspaares „Steven“ und Monika Rademacher statt. Auf den Treppen der Balver Höhle, oder wie der neue Schützenkönig sagte „auf der Südtribüne“, wartete der Fanclub auf die neuen Regenten mit mehreren La-Ola-Wellen.




Veröffentlicht am:
15:55:40 19.07.2010 von CMS System Benutzer

Letzte Aktualisierung
15:58:06 21.07.2010